Wie ist Leerheit charakterisiert?

Woher kommt der Begriff?

Was ist unter Leerheit zu verstehen?

In welcher Beziehung stehen Absolutum und Schöpfung?

Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?

Leerheit – das Konzept des Absolutum im Buddhismus

Gibt es im Buddhismus ein absolutes Prinzip?
In welcher Beziehung steht dieses zur Schöpfung?
Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?

Wie ist Leerheit charakterisiert?

Auch der Buddhismus verfügt über ein Konzept für das Absolutum, die 'Leerheit', oft mit 'Wahrheitsraum' oder 'Urgrund' übersetzt. Die Leerheit wird als ungeboren, unvergänglich, unzerstörbar, ohne Zentrum und ohne Begrenzung beschrieben; ihre Erfahrung als unfassbar und jenseits von Worten; ihre wahre Natur als Liebe und Mitgefühl.

Woher kommt der Begriff?

Der Begriff 'Leerheit' geht auf die Anfänge des Buddhismus zurück. In Abgrenzung zu Konzepten der vedischen Philosophie stellt Buddha fest, dass der Mensch kein 'Atman' bzw. kein 'Selbst' im Sinne einer eigenständigen Ich-Struktur oder einer unsterblichen göttlichen Seele besitzt.

'Leerheit' ist insofern eine irreführender Begriff, als darunter nicht ein 'Nichts' verstanden wird, sondern vielmehr das unbegrenzte Potenzial zur Manifestation.

Was ist unter Leerheit zu verstehen?

Manifestationen sind traumhafte Illusionen ohne Eigennatur

Unsere Welt bzw. die Schöpfung wird als eine Erscheinung angesehen, die sich aus der Leerheit manifestiert und nach dem Gesetz des Karmas (Gesetz von Ursache und Wirkung) perpetuiert. Nach buddhistischer Lehre sind Manifestationen bzw. Erscheinungen vergängliche, traumhafte Illusionen. Sie sind insofern 'leer', als sie keine feste und dauerhafte Eigennatur aufweisen, d.h. sie bestehen nicht permanent, aus sich selbst heraus und unabhängig von allem anderen. Das gilt auch für den Menschen. Das menschliche 'Ich' wird als nicht von dauerhafter und substantieller Natur betrachtet.

Alles ist vergänglich und in ständiger Veränderung

Alles ist aus verschiedenen, sich ständig neu zusammenfindenden Komponenten zusammengesetzt und daher der Vergänglichkeit und Veränderung unterworfen. Dabei entstehen und vergehen Erscheinungen nicht aus sich selbst heraus, sondern aufgrund des Zusammentreffens von die jeweilige Erscheinung ermöglichenden Faktoren oder Bedingungen. Die Wirklichkeit ist ein Netz von Beziehungen, nicht eine Ansammlung von Substanzen oder Personen, die später miteinander in Beziehung treten.

Leerheit und Form

Nach buddhistischer Lehre ist die Leerheit nicht ohne Manifestationen (Form) denkbar. Leerheit und Form stehen vielmehr in einem engen Zusammenhang: "Leerheit ist Form - Form ist Leerheit. Leerheit ist nicht verschieden von Form, Form ist nicht verschieden von Leerheit." (Herz-Sutra).

Das Absolutum (Leerheit) und die Manifestationen (Form) lassen sich nicht voneinander trennen – es gibt das eine nicht ohne das andere.

Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?

Der Grund für die Einschätzung des Buddhismus als atheistische Religion liegt darin, dass der Buddhismus, im Gegensatz zum Christentum, nicht von einem personalen Schöpfergott ausgeht. Dazu ist folgendes anzumerken:

» Gottesbeweise / » Gotteserfahrung / » Rede von Gott / » Gottesverständnis im Christentum / » Theodizee / » Gnade / » Position des Atheismus / » Schlussfolgerungen

Version vom 10. August 2020

espirit.ch